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Vom Traumjob Stadttheater-Intendant

Mi 27.02.2019 21:43
Autor: Reto Spiegel
Darko Bosnjak begrüsste am Mittwochmorgen rund 50 Mitglieder am 30. Gewerbezmorge bei Kaisers im Café Grogg. Mit schönen, reichhaltigen Zmorge-Tellern und viel Liebe zum Detail verwöhnte das Team von Klaus Kaiser seine Gäste und liess es an nichts fehlen.

Nur die wenigen Kurz- oder Nichtabmelder verhinderten eine Vollbesetzung des Restaurants.

Der heutige Gast-«Star» Herbert Schibler, Ikone der Oltner Kulturszene betrat mit charismatischem Lächeln die Gewerbebühne; nichts anmerken lassend, obwohl sicher noch etwas schlaftrunken nach einer langen Nacht mit den Welt-«Stars» von «Canadian Brass», die am Vortag im Stadttheater im Rahmen des KGV SO / Handelskammer-Events «Kultur meets Wirtschaft» aufgetreten waren.

Wo Herbert Schibler wirkt, sind die Ränge eben ausgebucht. So auch gestern.

Das Lokalblatt titelte vor kurzem «Ein Mann auf Abschiedstour». Schibler wird im September offiziell in Pension gehen. 14 Jahre nach Antritt seines «Traumjobs», wie er selber ausführt, im altehrwürdigen Stadttheater Olten.

Werdegang
Aufgewachsen in Olten als Kind musikalischer Eltern in entsprechend musischer Familie und mit musischem Umfeld, auf beiden Stadtseiten gewohnt, immer mit Kultur verbunden.
Nach Jahren des christkatholischen Kirchentheaterspiels und sogar einem Auftritt am Bastianspiel erhielt er mit zehn Jahren die erste Rolle in der «Dramatischen Gesellschaft Olten» mit der für Herbert lebensprägenden Figur Hans Hohler als Theatervater.

Stadttheater-Intendant: Traumjob (nicht Schoggijob)
Für Schibler gibt es dafür 3 Gründe:
1.    Der persönliche Kontakt mit Publikum im Tagungs- und Kulturbereich. Es gibt wenig Probleme in diesem Bereich, und eine tolle Crew fähiger Teamplayer, die diese auch immer lösen. Auch herrschte hier nie der wirtschaftliche Druck wie in anderen Branchen.
2.    Der direkte Kontakt mit Wirtschaft, Politik und Stakeholdern. Dies sei auch ausschlaggebend für seine Mitgliedschaft bei Gewerbe Olten. Obwohl er als Kulturschaffender ein Exot im Verband sei, sei das Stadttheater ein Wirtschaftsplayer in Olten und die Beziehung zum lokalen Gewerbe ein wichtiger Erfolgsfaktor. Auch habe er sich immer sehr wohl gefühlt und spüre die wohlwollende Akzeptanz für das Stadttheater. Gewerbe Olten sei typisches Abbild der Gesellschaft. Die Art von Kultur, die das Stadttheater bietet, interessiere nur rund 4 Prozent der Bevölkerung. Das Bewusstsein aber für die kulturelle Grundversorgung sei im Gesamtverband und der ganzen Stadt spürbar. So stehe auch die Oltner Politik voll hinter ihm und dem Stadttheater, trotz Budgetproblemen.
3.    Die inspirierenden und unvergesslichen Begegnungen mit Künstlern und Tagungsgästen. Einen Christoph Blocher an der Oltner Bastiansfeier der Stadtschützen live zu erleben, auf dem Tisch stehend, das «Heideröschen» singend und bis zuletzt ausharrend, habe ihm klargemacht, warum der Volkstribun soviel Erfolg habe. Beeindruckend dessen Charisma.
Zweimal habe er die Gelegenheit genutzt, am CVP-Fraktionsausflug des Bundeshauses, mit Doris Leuthard zu sprechen und ihre unglaubliche Ausstrahlung zu erleben, ihr Durchsetzungsvermögen zu spüren. «Attraktive Frauen machen das Leben schön,» so sein Fazit zur Begegnung. Auch mit Philippo Lombardi über Ambri Piotta zu sprechen war ein grosses Vergnügen. Oder mit Regula Ryz an der Delegiertenversammlung der Grünen. Diese Begegnung habe er mit der Einladung zu einem Konzert im Stadttheater weitergeführt. Oder dann Brady Dougan, Ex-CEO Credit Suisse, mit einem komplett anderen Lebens- und Wirkungs-Fokus, einer anderen Flughöhe. Der ticke ganz anders.

Sein Credo bei all diesen Begegnungen: Der Gastgeber vor Ort!
Und bald sei Zeit der Wachtablösung mit der Hoffnung, dass Gewerbe Olten der neuen Person, die im März gewählt wird, ebenso viel Zuspruch und Akzeptanz entgegen bringen wird. Er sei freiwillig gegangen und zitiert dazu Wolfdietrich Schnurre: «Lieben heisst loslassen können.»
Herbert Schibler wird die neue Stadttheater-Leitung noch bis und mit Saison 2020 begleiten.

Es folgen ein paar Highlights:

«Canadian Brass» – die weltweit bekannteste Brass Band der Welt – spielt schweizweit nur im KKL, weil schlicht zu teuer für die Provinz. Gestern aber spielten sie in Olten; «Dealmaker» Schibler sei Dank!

«Mnozil Brass», die durchgeknallten Österreicher, auch überall auf der Welt anzutreffen; ebenso ausverkauft bereits zweimal in Olten. Als Herbert sie vor kurzem an einem Auftritt in der Pause im Backstage-Bereich besuchte, wurde er so begrüsst: «No Herbert, da bist du ja endlich. Trink ma a Bier zusammen?» Solch ein Backstage-Bereich müsste auch eingeführt werden im Stadttheater Olten.

In der Klavierszene gibt es zwei heisseste Tipps:
Katja Buniatishvili, eine Weltstar-Pianistin, die auch sensationell aussieht und im Stadttheater spielte, sowie Yuja Wang, die Herbert in Wien getroffen hat. Ihr Konzert war restlos ausverkauft. Da begegnete er per Zufall einen Freund auf der Strasse vor seinem Hotel und erzählte davon. Dieser erwiederte: «Ach wir machen gerade ein neues Projekt mit ihr. Ein Privatkonzert mit den Wiener Sängerknaben und TV-Aufnahmen vom ORF für 30 Personen.» Traumjob zum Vierten.

Zum Schluss die Anekdoten:
Sol Gabetta, schlicht DIE Cellistin der Welt, fühlt sich mit Olten verbunden: Sie gastierte schon 4 mal hier, lange vor ihrer Krönung zum Superstar. Angesprochen auf den Besuch des Konzert erwiederte ein geschätztes Mitglied von Gewerbe Olten überzeugt: «Nein, nein, ich gehe lieber ins KKL, weil da gibt sie sich viel mehr Mühe.» Sol Gabetta empfand die Akkustik des Stadttheaters als ebenbürtig zur Zürcher Tonhalle, die vom gleichen Architekt errichtet wurde.
Zitat einer weiteren grossen Oltner Wirtschaftspersönlichkeit: «Gäu und Olten sind gut zum Geschäften. Aber Kultur geniesst man auswärts.»

«Aber Eishockey geniesst man auch im Kleinholz», so Schibler. Sein Statement: «Treu sein zu Olten, weil die Qualität stimmt. Ich kaufe bei Oltner Detailhandel und Gewerbe ein.»

Und zum Schluss zitiert er Alex Capus: «Zürich ist nichts anderes als 30 Mal Olten»

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